Ein Leitfaden zur Anwendung „digitaler Disruptoren“ [Fachbeitrag]

Ein Händler im alten Sumer hielt zum ersten Mal den Verkauf von Vieh auf einer Schiefertafel fest. 5.000 Jahre später hat sich aus dieser ersten „Geschäftstechnologie“ eine neue Klasse von Tools unter dem Begriff „Digitalisierung“ herausgebildet. Doch wie lässt sich durch die gezielte Anwendung und sinnvolle Integration der neuen Technologien im Corporate Treasury tatsächlich Mehrwert generieren?

Stellvertretend für den Begriff „Digitalisierung“ steht das allgegenwärtige Chaos aus Cloud, Robotics, Analysetools, künstlicher Intelligenz, Automatisierung und vielem mehr. Hier den Überblick zu behalten ist herausfordernd. Hilfreich ist zunächst eine grundsätzliche Unterteilung der Technologien und Tools in zwei Kategorien. Einerseits sind einige der neuen digitalen Technologien, die dem Corporate Treasury zur Verfügung stehen, speziell auf die Weiterentwicklung von Kernsystemen und bereits bestehenden Funktionalitäten ausgerichtet. Andere, die wir als Exponentials bezeichnen, sollen komplett neue, andersartige Funktionsumfänge bereitstellen. Insgesamt bilden all diese Technologien einen „Werkzeugkasten“, auf den das Treasury zurückgreifen kann, um die eigene Leistung zu verbessern und für das Unternehmen effektiver zu erbringen – was insbesondere bei der Kombination dieser Tools zum Tragen kommt.

Unseren Studien und Recherchen zufolge gewinnen die hier genannten sieben Technologien für die Arbeits- und Ablauforganisation im Finanzbereich zunehmend an Bedeutung.

 

Anlässe für die Optimierung und Weiterentwicklung des Treasury

Das Treasury der Zukunft wird mit einem Portfolio an spezialisierten Finanzdienstleistern als Gegenpartei zusammenarbeiten. Sei es im Zahlungsverkehr, wo klassisches Bankenclearing ganz oder teilweise durch direkte Zahlungsmethoden abgelöst wird, oder im Bereich der Finanzierung, wo großes Potential dafür besteht, dass die dokumentenbasierte Abwicklung durch die Blockchain-Technologie revolutioniert wird.

Ein wesentlicher Bestandteil der digitalen Weiterentwicklung des Treasury ist die fortschreitende Automatisierung der End-to-End-Prozesse. Voraussetzung hierfür sind neben zentralen Organisationsstrukturen vor allem eine unternehmensweit konsistente und aktuell verfügbare Datenbasis sowie exakt definierte Prozess-Standards, denn der zentrale Ansatzpunkt für den Einsatz innovativer Technologien ist ein hohes Maß an Standardisierung. Die Zentralisierung von Kernaufgaben des Treasury sowie die Standardisierung der Treasury-Prozesse führen zu einer deutlich höheren Prozesseffizienz. Darauf aufbauend lassen sich vielfältige Verbesserungspotenziale wie eine hohe Automatisierung von Treasury-Abläufen als auch die Harmonisierung der IT-Systemlandschaft heben. Diese Ausgangsbasis im Treasury bietet ein optimales Umfeld, um Prozesse vollständig zu digitalisieren und innovative Technologien einzusetzen, die der unmittelbaren Verfügbarkeit und Sicherheit von Daten und Informationen im Treasury Rechnung tragen.

In einem von zunehmender Dynamik und Komplexität geprägten Unternehmens- und Wettbewerbsumfeld sollten auch die Services und Prozesse des Treasury stetig auf den Prüfstand gestellt werden, um Veränderungserfordernisse sowie Optimierungspotenziale hinsichtlich der Steuerung von Liquidität und Finanzrisiken frühzeitig zu erkennen und somit die Leistungsfähigkeit und Flexibilität der Finanzorganisation zu erhöhen. Das Veränderungspotenzial und die Chancen der digitalen Transformation im Treasury sind enorm, erfordern jedoch ein grundsätzliches Verständnis der neuen Technologien und Methoden. Die Digitalisierung des Treasury mag einen weniger disruptiven Charakter haben als in anderen Unternehmensbereichen oder Branchen. Dennoch zieht sie weitreichende Veränderungen nach sich und verändert die etablierten Prozesse und Organisationsstrukturen nachhaltig. Treasurer sollten frühzeitig aktiv werden und relevante Digitalisierungsstrategien für ihr Unternehmen analysieren. Daraus abgeleitete nächste Schritte in Richtung digitale Zukunft ermöglichen es, das Potenzial dieser neuen Technologien frühzeitig für das Treasury nutzbar zu machen.

Harald Fritsche
Harald Fritsche

Director Global Treasury Advisory Services | Deloitte

Harald Fritsche besitzt mehr als 10 Jahre Erfahrung im Bereich Finanz- und Treasury Management. Als Director verantwortet er in der Treasury Beratung von Deloitte die Services Treasury Strategie und Transformation, Treasury M&A sowie Treasury Technology, Reporting & Analytics. Zusätzlich verfügt er über umfassende Erfahrung in den Bereichen Cash & Liquiditätsmanagement, Zahlungsverkehr, Finanzrisikomanagement sowie Treasury Audit, Compliance und Regulatorik.

 

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